Tiergestützte Pädagogik / Schulhund

Schulhund Baro stellt sich vor



Hallo, mein Name ist Baro.

Das bin ich, als ich zehn Wochen alt war. Da war ich noch ein kleiner Welpe.



So sehe ich jetzt aus:


Ich bin seit Januar 2019 Schulhund und begleite mein Frauchen Frau Müller in die Schloss-Schule. Dort helfe ich den Kindern beim Lernen. Wie so ein Schultag für mich aussieht, möchte ich dir nun erzählen.



Ich bin ein Großspitz. Großspitze gibt es in den Farben weiß, braun und schwarz. Ich habe ein schönes langes Fellkleid mit einem mähnenartigen Kragen und einen fuchsähnlichen Kopf mit flinken Augen. Außerdem habe ich spitze, engstehende Ohren. Dadurch sehe ich immer aufmerksam und keck aus.



Morgens, bevor der Unterricht beginnt, begrüße ich als erstes die Lehrerinnen und Lehrer im Lehrerzimmer mit einem fröhlichen Blick und einem freundlichem Schwanzwedeln. Fast immer finde ich jemanden, der dort mit mir kuschelt oder spielt.



Wenn es klingelt, gehe ich mit Frau Müller in den Unterricht. Ich bin sehr kinderfreundlich und freue mich auf die Schüler. Großspitze stehen gerne im Mittelpunkt, so auch ich. Je mehr Aufmerksamkeit ich bekomme, umso wohler fühle ich mich. In der Klasse von Frau Müller kennen mich die Kinder schon sehr gut. Wenn sie morgens ins Klassenzimmer kommen, legen sie sich auf den Boden und ich muss dann nur noch daneben stehen und bekomme den Bauch gekrault. Das finde ich prima.



Wenn etwas im Sitzkreis erklärt wird, möchte ich mit dabei sein. Dann lege ich mich neben ein Kind, das besonders ruhig und leise ist und lasse mich weiter massieren.


Ich bin sehr gesellig, drehe meine Runden im Klassenzimmer und beobachte alles, was im Unterricht so passiert. Irgendwann brauche ich dann meine Ruhe. Wenn ich müde werde und die anderen konzentriert lernen, gehe ich an ein ruhiges Plätzchen. Meine Lieblingsplätze zum Dösen sind unter Frau Müllers Pult und in meiner Hundebox. Manchmal verschlafe ich dort eine ganze Unterrichtsstunde.



Ich bin gerne Schulhund, denn die Kinder haben mit Frau Müller Regeln vereinbart, dass es mir hier gefällt. Bevor ich in die Schule kam, haben sie geübt, wie man Hunde richtig begrüßt, wo man sie streicheln darf, was sie mögen und was nicht. Die Kinder passen auch immer gut auf, dass es im Klassenzimmer ordentlich ist und keine Schnipsel oder Stifte auf dem Boden liegen, denn ich probiere gerne, ob mir schmeckt, was da so rumliegt.

Auch ich habe Regeln bekommen. Ich darf zum Beispiel an Kindern nicht hochspringen und muss kommen, wenn Frauchen ruft. Ich halte mich sehr gut an die Regeln und wenn ich eine Regel vergesse, erinnert mich Frauchen wieder daran.



Wenn die Schule zu Ende ist, fahre ich mit Frau Müller nach Hause. Dort gehen wir dann in der Natur spazieren, trainieren, toben, spielen und treffen Hundefreunde.



Ich hoffe, wir sehen uns bald mal in der Schule. Wenn du mich höflich begrüßt, komme ich gerne mal bei dir vorbei. (Wie du das richtig machst, kannst du weiter unten bei Wie begrüße ich einen Hund richtig nachlesen).

 

Wenn du wissen willst, wo meine Eltern wohnen und wo ich die ersten neun Wochen meines Lebens verbracht habe, kannst du auf dieser Internetseite weiterlesen: http://www.grossspitze-untermühle.de. Unter Welpen, B-Wurf findest du Bilder und Videos.


Grüße, Baro




Regeln für Kinder


Ich warte, bis mich Baro besucht. Baro darf entscheiden, wann er geht.






Ich streichle Baro am Hals und am Rücken. Dabei gehe ich in die Hocke oder setze mich hin.






Ich verhalte mich leise und gehe langsam und vorsichtig.





Ich lasse Baro in Ruhe, wenn er schläft.






Regeln für Hunde

   

 Hunde dürfen Kinder nicht anspringen.

  

 Hunde dürfen Kindern keine Gegenstände und kein Essen klauen.

  

 Hunde dürfen Kinder nicht zwicken oder in die Kleidung beißen.






Wie begrüße ich einen Hund richtig?

Hunde begrüßen sich leise. Eine Begrüßung findet immer ruhig statt. Auf keinen Fall rennt ein Hund auf einen anderen Hund geradeaus zu. Aus Hundesicht ist es höflich, sich in einem leichten Bogen zu nähern. Hocke dich seitlich hin und rufe freundlich und leise seinen Namen. Strecke deine Hand aus, damit der Hund dich abschnüffeln kann. Dann kannst du den Hund vorsichtig am Hals und am Rücken streicheln.





Wie streichle ich einen Hund?

Nähere dich in einem Bogen. Setze dich seitlich neben den Hund. Strecke deine Hand aus und lasse den Hund daran schnuppern. Danach kannst du ihn am Hals streicheln. Von oben auf dem Kopf gestreichelt werden mögen die meisten Hunde nicht.





Weitere Informationen zu Tiergestützter Pädagogik und dem Einsatz von Schulhunden


Was ist Tiergestützte Pädagogik?

Bei der Tiergestützten Pädagogik unterstützen Tiere Pädagogen bei der Umsetzung von Erziehungs- und Bildungszielen. Es werden Erfahrungen aus der Tiergestützten Therapie genutzt und weiterentwickelt, um in pädagogischen Kontexten positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten von Menschen zu erzielen.

 

Was ist ein Schulhund?

Ein Schulhund begleitet eine Lerngruppe während ihrer Lernzeit im Unterricht, wird Mitglied des ,,Klassenrudels“ und ist sozusagen ,,Pädagoge auf vier Pfoten“. Eine Lehrkraft bildet ihren eigenen Hund dazu aus, die Rolle des Lernbegleiters zu übernehmen. Ein Schulhund gehört also nicht der Schule, sondern dem Halter und tritt auch nur gemeinsam mit ihm auf.

Welche positiven Auswirkungen sind auf das Lernen zu beobachten?

Studien zeigen, dass nicht nur das Streicheln eines Tieres, sondern bereits dessen bloße Anwesenheit im Klassenraum eine stressreduzierende Wirkung hat. Ein Schulhund ist ein Lernbegleiter, der jedes Kind so annimmt wie es ist und vorurteilsfrei und unmittelbar Wärme und emotionale Nähe vermittelt. Dies begünstigt ein entspanntes und ruhiges Klassenklima und unterstützt somit den Lernprozess positiv.

Ein Tier im Klassenraum erfordert eine höhere Rücksichtnahme und eine vertiefte Empathie- und Wahrnehmungsfähigkeit auf der Mensch-Tier-Ebene, die sich auch auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirkt. In Klassen mit Schulhund wird eine Verminderung von aggressiven Verhaltensweisen beobachtet, es zeigen sich eine höhere Lernmotivation der Schüler und die Kinder sind hilfsbereiter im Umgang untereinander.

 

Was ist, wenn Kinder Tierhaarallergien haben?

Eine Tieraarallergie wird nicht von den Tierhaaren selbst, sondern von speziellen tierischen Eiweißen (den sogenannten Allergenen) ausgelöst, die sich in Hautschuppen, Speichelbestandteilen oder Urinbestandteilen befinden. Dabei lösen Nagetiere, Pferde und Katzen wesentlich häufiger Allergien aus als Hunde.

Das Allergenpotenzial von Hund zu Hund ist sehr unterschiedlich. Bei langhaarigen Rassen wurde ein niedrigeres Allergenpotential festgestellt, als bei kurzhaarigen Hunderassen, bei denen sich die Haare in Textilien verkanten und so die Allergene weitergetragen werden. Erfahrungen haben gezeigt, dass Tierhaarallergiker beispielsweise bei Großspitzen, die ein wollartiges langes Haarkleid mit dichter Unterwolle besitzen, keine Reaktionen hatten, obwohl sie auf andere Rassen reagierten.

Manchmal reicht es, wenn Kinder, die eine Allergie haben, keinen direkten Hautkontakt zu dem Hund aufnehmen oder die entsprechenden vereinbarten Hygienemaßnahmen nach dem Umgang mit dem Hund einhalten (Handreinigung, evtl. Raumreinigung). Der Hund kann auch mit Allerpet behandelt werden, einem Mittel, das einmal wöchentlich auf das Fell des Hundes aufgetragen wird und beim Menschen allergische Reaktionen verhindert.

 

Was ist, wenn ein Kind Angst vor Hunden hat?

Der Umgang mit dem Schulhund ist völlig freiwillig. Ein Kind kann den Hund ignorieren oder ruhig wegschicken. Definierte Tabuzonen für den Hund gewährleisten, dass Kinder mit Ängsten Schutzzonen haben, in denen sie sich ungestört fühlen können. Schulhunde fördern ängstliche, ruhige und schüchterne Kinder, indem sie als ,,sozialer Katalysator“ wirken. Der Schulhund ist eine Chance, durch Beziehungs- und Vertrauensaufbau und dem Erlernen des richtigen Umgangs mit dem Tier Ängste abzubauen. Die Vermittlung der ,,Hundesprache“ kann Kinder kompetent und selbstbewusst im Umgang mit Hunden machen.

 

Wie wird ein artgerechter Umgang mit dem Tier gewährleistet?

Der Schulhund ist immer unter der Aufsicht der Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler werden über den richtigen Umgang mit Hunden und dem Lesen der Körpersprache vertraut gemacht. Gemeinsam erarbeitete Grundregeln sorgen dafür, dass im Schulalltag respektvoll und verantwortungsbewusst mit dem Schulhund umgegangen wird. Rückzugsmöglichkeiten und Ruhezonen sorgen dafür, dass sich der Hund jederzeit entspannen und zurückziehen kann.